Hohe Virenbelastung im Herbst

Varroaschaden auf Grund hoher Virenbelastung im Herbst 2023!

Nach neuesten Rückmeldungen ist heuer ein massiver Anstieg der Völkerverluste zu verzeichnen. Trotz der sehr kühlen Wetterlage im April und Mai 2023 konnte sich die Varroa stark vermehren, in diesem Zuge haben sich auch die Viren ohne erkennbare Anzeichen in den Bienenvölkern vermehrt.

Diagnose

Um den Varroabefall im Frühjahr zu erheben, benötigen wir die Daten zur 3-wöchigen Salweiden-Blühte. (von Mitte März bis Mitte April) Wer diesen Varroa- Befall feststellt, der sollte wöchentlich den Varroaabfall notieren und kann somit die möglichen Problemvölker vorzeitig erkennen.

Varroavermehrung:

Wer im Frühjahr öfters die Völker kontrolliert und damit das Brutnest bei kühler Temperatur aus-einander nimmt, der fördert die Vermehrung der Varroa, besonders die wöchentliche Weiselzellen Kontrolle schadet dem Bienenvolk.

Eine Bauerneuerung mit Mittelwänden ab Ende April (mit 2 Mittelwänden seitlich ans Brutnest) Ab Mai verhindert die Erweiterung des Brutraumes die Platznot, (ab Mai einen zweiten Brutraum mit 3 bis 5 Jungfräuliche leer Waben über dem Brutnest und 5 bis 7 MW seitlich geben) die Bienen kommen so nie in Versuchung eine Königin nachzuziehen. (Ausnahme bei alter 3-jährigen Königin oder bei nachlassendem Pheromon der Stockmutter.

Schadschwelle

Wird im Juni zur Tag-kehre der tägliche Abfall von 10 Varroa und mehr in einem Volk erreicht, der hat eine sofortige Varroabekämpfung durchzuführen. Auch das Sichten von geschädigten Jungbienen, mit Flügelstummel oder Varroa auf den Bienen sind ein Zeichen, dass die Varroa schon sehr stark im Volk vorhanden ist. Aber auch die Virenbelastung hat schon den Wert von 10 Milliarden überschritten, das heißt, dass nun keine lebensfähigen Jungbienen mehr schlüpfen!

Varroabekämpfung im Frühjahr

Mit dem Drohnenbrutschneiden im April – Mai wird sehr viel Energie der Bienenvölker vernichtet. Der Nutzen ist nur sehr gering; eine Wabenerneuerung in dieser Zeit ist für die Schwarmverhinderung viel zielführender.

Wer Zugang zu einem Varroa Kontroller hat, der sollte diesen nutzen und im Frühjahr die verdeckelten Brutwaben in diesem Gerät einer Wärmebehand-lung zuführen. Schon bei einer Außentemperatur von 13°bis 14° Grad möglich!

Varroa-Bekämpfung in der Tracht oder kurz vor der Tracht

Sind verkrüppelte und Flügellose Jungbienen am Flugloch oder im Volk sichtbar oder wurde die Schadschwelle erreicht, so müssen alle verdeckelten Brutwaben entnommen werden. Die Bienen bleiben beim Trachtvolk und der Leerraum wird durch Jungfernwaben oder Mittelwände ersetzt, die Königin kann weiter Eier legen und es ist mit keinem Ertragsverlust zu rechnen. Mit diesem Eingriff kann die bevorstehende Tracht noch voll genutzt werden und das Volk wird hiermit von 80% der Varroamilben befreit. Die entnommen Brutwaben sind auch voller Viren und sollten ausgeschieden werden.

Um auch die verbliebenen Varroa im Volk abzufangen, so bietet sich eine Fangwabe mit offenen Brutzellen aller Stadien bestens an! Diese ist jedoch unbedingt nach 10 Tagen zu entnehmen und zu entsorgen!

Wenn diese Brutwaben in einem Wärmeschrank behandelt werden, so werdet ihr sehen, das von diesen Bienen nur mehr 1/3 schlüpfen. Aus diesen Brutwaben gebildete Ableger gehen innerhalb 14 Tage ein, die geschlüpften Jungbienen sind nicht mehr in der Lage ein Volk aufzubauen.

Hohe Temperaturen während der Behandlung:

Bei Temperaturen von + 30°C und mehr am Tag, so sollte noch keine AS Behandlung erfolgen. So muss mit einer Oxalsäure Besprühung oder Bedampfung der Varroa-Druck im Volk gemindert werden, nach der Honigernte!

 Das zukünftige Ziel muss für uns sein:

Im Sommer zur Hauptbehandlungszeit sollte unbedingt eine Brutpause über mindestens 25 Tage im Bienenvolk erreicht werden.

Das Bannwabenverfahren vermehrt einsetzen, (2 mal 12 Tage mit DWT,       3 mal 9 Tage mit Einwabentasche oder 4 mal 7 Tage).

Die Königinnen mittels Käfige mindestens über 3,5 Wochen vom Brüten abhalten. (im Sommer als auch im Spätherbst)

Wie kann ich das Virenproblem schon frühzeitig erkennen?

Varroaschaden erkennen können
Abgestorbene Bienenbrut auf der Bodenwindel
  • Es sind immer die besten Bienenvölker des Standortes betroffen.
  • Nur einzelne Völker mit hohem Varroa-Befall anzutreffen.
  • Auch wenn sie gerade in der Tracht stehen, so hat trotzdem eine sofortige Bekämpfung der Varroa zu erfolgen.
  • Wen zu lange zugewartet wird, so werden die Nachbarvölker von den abfliegenden Bienen mit Varroa versorgt.
  • Die betroffenen Bienenvölker von diesem Standort entfernen und mit weiteren Problemvölker auf entferntem Standort sammeln.
  • Diese Völker brechen bis zum Trachtende zusammen, der Honig ist nicht fertig und hat einen hohen Wassergehalt.

Kontrolle nach der Hauptbehandlung:

Der natürliche Varroa-Befall sollte Anfang September nicht über 2 Varroa pro Tag betragen, ansonsten ist eine weitere Behandlung erforderlich. Bei der Verwendung von 85 % AS kann eine Behandlung auf 8 Tage beschränkt werden, aber mindestens 100ml AS 85 % einsetzen.

Starker Totenfall nach Varroabehandlung Anfang November
Starker Totenfall nach Varroabehandlung Anfang November

Der Reinvasionsdruck der Varroa nimmt im Herbst stark zu und es ist auch hier eine vermehrte Kontrolle der Bodenwindel sehr wichtig.

Nach der Sommerbehandlung Anfang September sollten nicht mehr als 2 Varroa pro Tag Abfall gezählt werden. Ansonsten hat eine weitere Behandlung unbedingt sofort zu erfolgen. Nur das betroffene Volk erhält eine weitere Behandlung.

Brutfreiheit

Nach Frosttagen (unter 0°C) und dann ab dem 21 Tagen kann im November oder Dezember mit Brutfreiheit gerechnet werden.

Es sollte keine Restentmilbung von Nöten sein!

Wen der natürliche Varroaabfall im November unter 0,5 pro Tag liegt, so ist keine Behandlung erforderlich!

Wird dieser Wert nicht erreicht, so hat unbedingt bei Brutfreiheit die Restentmilbung zu erfolgen.

Flüssige Oxalsäure-Behandlungen sollte nur 1 mal pro Bienengeneration in der Wintertraube unter 0°C angewendet werden.

Oxalsäure in Pulver oder Tablettenform können schon bei + 2° bis 10° Grad und mehrmalig angewendet werden.

VIV Gesundheitsreferent
Helmut Graf    
21.11.2023